Das Megalithgrab Küsterberg

Die Untersuchung der Megalithgrablandschaft des Haldensleber Forstes ist Teil des DFG-geförderten Projektes „Entstehung, Funktion und Landschaftsbezug von Großsteingräbern, Erdwerken und Siedlungen der Trichterbecherkulturen in der Region Haldensleben-Hundisburg“, das wiederum zum Schwerpunktprogramm 1400 der Deutschen Forschungsgemeinschaft „Frühe Monumentalität und soziale Differenzierung“ gehört. ( => zur Projektseite )

Die Grabanlage ist Teil einer ehemals über 130 Grabanlagen zählenden Megalithgrablanschaft von der heute noch 81 erhalten sind. Sie erscheint als steinumsetzter Langhügel mit innerer, rechteckiger Grabkammer, wobei die Anlage selber dem Typus des Ganggrabes entspricht, d. h. dass ein seitlicher Gang, der zur Grabkammer führte, angelegt wurde.

Durch die 3 Ausgrabungen des Projektes „Entstehung, Funktion und Landschaftsbezug von Großsteingräbern, Erdwerken und Siedlungen der Trichterbecherkulturen der Region Haldensleben-Hundisburg“ und die geophysikalische Prospektion konnte das Großsteingrab rekonstruiert werden:

(zusammengefasst nach Kay Schmütz, allgemein nach Barbara Fritsch)

"Errichtet wurde das Grab auf einem natürlichen 40 m langen Hügel, dessen Kuppe abgetragen wurde, um einen ebenen Baugrund zu schaffen. Im Zentrum liegt die elf Meter lange und zwei Meter breite Kammer, die aus ehemals 19 aufrecht stehenden Kammersteinen ( Orthostaten) und sieben darüber liegenden Decksteinen bestand. Im Süden der West-Ost ausgerichteten Kammer befindet sich mittig der Eingang aus jeweils zwei Steinen, durch den die Kammer betreten werden konnte. Die Kammer ist von einer rechteckigen Umfassung aus Steinen umgeben, die 19 m lang und 5 m breit ist. Zwischen den einzelnen Megalithen, sowohl denen der Kammer als auch denen der Umfassung, wurde ein Trockenmauerwerk (Zwickelmauerwerk) aus Bruchsteinen errichtet, um die Freiräume zwischen diesen zu füllen. Auch die Lücken zwischen den Decksteinen waren mit diesem Trockenmauerwerk zugesetzt, so dass eine geschlossene Decke der Kammer geschaffen wurde. Eine Besonderheit in der Architektur des Grabes ist der Bereich vor dem Eingang, der halbkreisförmig auf der gesamten Breite des Grabes mit gebrochenen Steinen ausgelegt ist. Weiter hervorgehoben wird dieser Bereich durch mindestens drei frei stehende Menhire südlich der Grabanlage, die die besondere Bedeutung dieses Areals und den monumentalen Charakter des Grabes betonen."
Kay Schmütz


(Schmütz 2013, Foto links: A.Poppe)


Import der CAD-Daten

Rund 2000 Einzelfundstücke wurden für die Fundstelle am Küsterberg erfasst. Darunter Ziegel und Gestein, Keramik und Feuersteine aber auch organische Reste von Pflanzen und verbranntes Holz. Die Megalithen wurden ebenfalls eingemessen und lagen als Punktwolken vor. Viele der außen gelegenen Bettsteine (hellgrau) wurden vom Archäologen rekonstruiert, da sie nicht mehr vor Ort standen.

Die Grundlagen bei diesem Projekt waren bereits digitalisierte CAD-Daten und CSV-Tabellen. Punktgenau eingemessene Megalithen und Tausende von zuvor vermessenen Einzelfunden wurden im 3D-Raum importiert und sichtbar gemacht. Anschließend ging es an die Rekonstruktion des Grabes unter Zuhilfenahme von vergleichbaren Megalithgräbern aus Sachsen-Anhalt.

Zu sehen sind hier zum einen die reine Visualisierung der vorhandenen Daten (links) und ein Zwischenschritt der Rekonstruktion durch Rotharis (rechts). Die Bettsteine mussten hierbei zurück nach innen gedreht werden, um die eingebrochenen Decksteine wieder nach oben versetzen zu können. Die Zusammenhänge beider Schritte sind hier noch farblich zu erkennen.


Rekonstruktion der Grabstelle

Die Rekonstruktion der Ausgrabung ist weiterhin in Bearbeitung, in Zusammenarbeit mit Dipl.-Prähistoriker Kay Schmütz und Dr. Christoph Rinne.

(Schmütz 2013, Zeichnung links: S.Beyer)


Literaturverzeichnis

Hermann Behrens: Die Jungsteinzeit im Mittelelbe-Saale-Gebiet. Unter Mitarbeit von Dieter Kaufmann und Waldemar Matthias. Veröffentlichungen des Landesmuseums für Vorgeschichte 27 (Berlin 1973).

Johannes Müller, Jan-Piet Brozio, Dennis Demnick, u.a.: Periodisierung der Trichterbecher-Gesellschaften. Ein Arbeitsentwurf. In: M. Hinz u. J. Müller (Hrsg.), Siedlung, Grabenwerk, Großsteingrab. Studien zu Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt der Trichterbechergruppen im nördlichen Mitteleuropa. Schwerpunktprogramm 1400. Frühe Monumentalität und soziale Differenzierung 2 (Bonn 2012), 29-33.

Barbara Fritsch: Die Großsteingräber der Altmark. In: H. Meller (Hrsg.), die Großsteingräber der Altmark (Halle 2006), 30-40.

Joachim Preuss: Megalithgräber mit Alttiefstichkeramik im Haldenslebener Forst. Neolithische Studien 2 (Berlin 1973).

Christoph Rinne und Matthias Lindemann: Entstehung, Funktion und Landschaftsbezug von Großsteingräbern, Erdwerken und Siedlungen der Trichterbecherkultur in der Region Haldensleben-Hundisburg. Ein Zwischenstand nach dem ersten Jahr Feldforschung. Jahresschrift der Museen des Landkreises Börde 50 (17) (Haldensleben 2010), 21-40.

Friedrich Schlette: Die Untersuchungen einer Großsteingräbergruppe bei Bebertal, Haldenslebener Forst. Jahresschrift für mitteldeutsche Vorgeschichte 46 (Halle 1962), 137-181.

Schmütz 2013: Kay Schmütz, Konzeption und Umsetzung von Monomentalität am Megalithgrad Küsterberg im Haldensleber Forst. In: H.Meller (Hrsg.), 3300 BC, Mysteriöse Steinzeittote und ihre Welt (Halle/Saale 2013), 132-134.